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Leitfaden für Akteure im Umgang mit sich radikalisierenden Geflüchteten

Eine Person, z.B. ein oder eine Jugendliche, die Sie betreuen oder öfters sehen im Arbeitskontext, hat sich in letzter Zeit stark verändert. Er oder sie scheint oft völlig abwesend mit den Gedanken zu sein. Wenn er*sie mal eine Meinung äußert, dreht sich alles nur noch um die Religion. Immer öfter kommt es zu Konflikten mit Ihnen und seinen*ihren Freund*innen. Sie wissen nicht, wie Sie wieder an ihn*sie rankommen können.

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor?

Damit müssen Sie nicht allein bleiben. Wir möchten Sie in Ihrer Lage unterstützen. Wir wissen, dass sich viele Konflikte verschlimmern, wenn man aus Unwissenheit oder aus Angst, etwas falsch zu machen, nichts unternimmt. Hier möchten wir Ihnen einige erste Ideen geben, die Ihnen in Ihrer Situation weiterhelfen können:

  1. Lernen Sie den Jugendlichen kennen!
    Was bewegt die Person, die sie betreuen? Welche Kontexte und Personen spielen in seinem*ihren Leben eine Rolle? Reden Sie mit ihr*ihm und zeigen Sie ihm*ihr, dass Sie sich ernsthaft für sein*ihr Leben interessieren. Hinter so manch religiöser Argumentation steckt dann vielleicht ein konkretes Bedürfnis, an das Sie anknüpfen können.


  2. Schaffen Sie Raum für Diskussionen!
    Welche Themen könnten den*die Jugendliche(n) interessieren? Von welchen Aktivitäten und Diskussionen würde er*sie sich angesprochen fühlen? Geben Sie ihm*r den Raum, seine*ihre Positionen zu formulieren und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Achten Sie dabei auf einen wertschätzenden Umgang untereinander und fördern Sie eine respektvolle Debattenkultur.


  3. Machen Sie Ihre Position deutlich!
    Welche Äußerungen liegen im Rahmen der Meinungsfreiheit und welche sind problematisch und diskriminierend? Gehen Sie ernsthaft auf den*die Meinung des/der Jugendlichen ein. Theologische Debatten werden Sie wahrscheinlich nicht weit bringen. Betonen Sie stattdessen die Legitimität verschiedener Standpunkte und beziehen Sie klar Stellung, wenn andere Jugendliche abgewertet werden.


  4. Reflektieren Sie Ihre eigenen Vorannahmen!
    Welche Bilder prägen Ihre Wahrnehmung des*r Jugendlichen? Woher kommt Ihr Wissen über seine*ihre Religion? Machen Sie sich den Einfluss medialer Darstellungen und Ihrer eigenen Biographie auf Ihren Umgang mit dem*r Jugendlichen bewusst. Lernen Sie mehr über das Thema und scheuen Sie sich nicht, ihm*ihr gegenüber Fehler einzugestehen. Das wird ihm*ihr zeigen, dass es auch nicht immer auf einer Meinung beharren muss, sondern Äußerungen später zurücknehmen kann.


  5. Vernetzen Sie sich mit anderen!
    Welche Art der Unterstützung brauchen Sie im Umgang mit dem*r Jugendlichen? An wen aus Ihrem Umfeld könnten Sie sich wenden? Nutzen Sie die Strukturen Ihrer Arbeitund tauschen Sie sich vertraulich mit Ihrem Team aus. Gemeinsam können Sie die Lage besser einschätzen und entsprechend handeln.

Wir hoffen, dass diese Anregungen Ihnen eine erste Orientierung geben konnten. Eine individuelle Beratung können sie jedoch nicht ersetzen. Die Berater*innen von EMEL stehen Ihnen professionell, anonym und kostenfrei zur Verfügung.