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Leitfaden für Eltern im Umgang mit sich radikalisierenden Kindern

Ihr Kind hat sich in letzter Zeit stark verändert. Der Freundeskreis ist Ihnen neu und fremd. Auch die Meinungen werden immer extremer - alles dreht sich nur noch um die Religion. Zu Hause nehmen die Konflikte zu. Sie haben das Gefühl, nicht mehr so gut an Ihr Kind ranzukommen.

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor?

Damit müssen Sie nicht allein bleiben. Wir möchten Sie in Ihrer Lage unterstützen. Wir wissen, dass sich viele Konflikte verschlimmern, wenn man aus Unwissenheit oder aus Angst, etwas falsch zu machen, nichts unternimmt. Hier möchten wir Ihnen einige erste Ideen geben, die Ihnen in Ihrer Situation weiterhelfen können:

  1. Bleiben Sie im Gespräch!
    Wann haben Sie sich das letzte Mal nett mit Ihrem Kind ausgetauscht? Welche gemeinsamen Aktivitäten bringen sowohl Ihnen als auch Ihrem Kind Freude? Knüpfen Sie an diese Erlebnisse an und stärken Sie die positive Beziehung zu Ihrem Kind. So schaffen Sie eine Basis, um langfristig auch tiefe Meinungsverschiedenheiten bearbeiten zu können.


  2. Lernen Sie Ihr Kind kennen!
    Welche Themen und Ereignisse bewegen Ihr Kind? Welche Kontexte und Personen spielen in seinem*ihren Leben eine Rolle? Reden Sie mit Ihrem Kind und zeigen Sie ihm*ihr, dass Sie sich ernsthaft für sein*ihr Leben interessieren. Hinter so manch religiöser Argumentation steckt dann vielleicht ein konkretes Bedürfnis, auf das Sie als Elternteil eingehen und gemeinsam nach Lösungswegen suchen können.


  3. Machen Sie Ihre Position deutlich!
    Extremistische Ideologien geben Ihrem Kind möglicherweise Halt und Orientierung, indem sie alles in klare Gut-Böse-Kategorien einteilen. Vermeiden Sie theologische Debatten und hinterfragen Sie stattdessen die klare Einteilung, indem Sie mehr Schattierungen und Komplexität reinbringen. Fragen Sie sich auch: Woher kommt Ihre eigene Meinung zu dem Thema? Bestehen Sie nicht auf Ihrer Sicht der Dinge, sondern zeigen Sie Ihrem Kind alternative Positionen und Argumentationsmuster auf.


  4. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten!
    In welchen Momenten ist es in der Vergangenheit zu Konflikten gekommen? Wie haben Sie reagiert? Vielleicht entdecken Sie Situationen, in denen Sie sich unfair oder autoritär verhalten haben. Scheuen Sie sich nicht, eigene Fehler einzugestehen. Das wird Ihrem Kind zeigen, dass es auch nicht immer auf einer Meinung beharren muss, sondern Äußerungen später zurücknehmen kann.


  5. Achten Sie auf sich selbst!
    Der Konflikt mit Ihrem Kind kann sehr belastend sein und über lange Zeit andauern.  Suchen Sie sich einen Ausgleich, der Ihnen zu innerer Stabilität verhilft. So gewinnen Sie mehr Energie auch für schwierige Zeiten in der Beziehung zu Ihrem Kind. Überlegen Sie sich außerdem: An wen aus Ihrem Umfeld könnten Sie sich wenden? Welche Art der Unterstützung brauchen Sie? Trauen Sie sich, Hilfe zu suchen.

Wir hoffen, dass diese Anregungen Ihnen eine erste Orientierung geben konnten. Eine individuelle Beratung können sie jedoch nicht ersetzen. Die Berater*innen von EMEL stehen Ihnen professionell, anonym und kostenfrei zur Verfügung.